
Es war der heißeste Sommer, den ich je erlebt hatte. Jeden Tag nach dem Aufwachen bemerkte ich, dass mein kompletter Körper schweißbedeckt war. Auch eine kalte Dusche half nichts, sofort danach kroch die Hitze wieder in meine Knochen und machte sich von dort aus breit.
Essen wurde mir immer mehr zur Qual. Vor dem Spiegel bemerkte ich, wie ich jeden Tag weniger wurde. Mittlerweile sprachen mich sogar meine Freunde und Verwandten darauf an. Man sieht es also schon, dachte ich mir. Bei diesen Temperaturen war es schwierig, das Ganze mit Kleidung zu kaschieren.
Ich stand kurz vor der Selbstaufgabe. Und tat mir selber Leid. Ein unterbewusster Wunsch, endlich von dieser Welt zu verschwinden. Ein stiller Hungerstreik gegen die unvorhergesehenen Gemeinheiten des Lebens.
Bleich und zerbrechlich konnte ich mein Innerstes nicht mehr durch ein Lächeln verbergen. Mein verstecktes Leid stand auf meinem Körper geschrieben. Ich musste weinen. Diese Tränen erzählten meine Geschichte.
Und sie reagierten, sie reagierten schnell, sie reagierten wirksam. Noch nie zuvor in meinem Leben wurde ich so oft umarmt, und jede dieser Umarmungen versicherte mir: „Ich bin für dich da“ und „Gib nicht auf!“ Die Tränen des Schmerzes waren unmittelbar denen der Rührung gewichen.
In den nächsten Wochen unternahmen wir viel gemeinsam. Sie nahmen sich die Zeit mich zu reparieren. Langsam kehrte die Farbe in mein Gesicht zurück, ebenso wie das Lächeln, ehedem mein Markenzeichen. Und seit langem ließ ich mich fallen und es wieder zu, glücklich zu sein.
Sie gaben mir Perspektive. An meinem nächsten Geburtstag, der vielleicht der schönste meines Lebens war, bekam ich ein leeres Büchlein, damit ich wieder beginne zu schreiben; einen Zeichenblock, damit ich niemals aufhöre zu zeichnen.
Sie erinnerten mich an meine einst angestrebte Musikerkarriere und wie sehr ihnen meine damaligen Konzerte gefallen hatten. Oder einfach nur, wenn wir in der Nacht zusammen saßen und ich das eine oder andere Lied auf der Gitarre spielte und sang.
Sie erinnerten mich daran, dass ich immer der geselligste unter ihnen war, oft Partys veranstaltete und die Leute zusammenbrachte.
Sie erinnerten mich daran, dass ich das Abenteuer gesucht hatte, viel gereist war und die besten Geschichten zu erzählen wusste.
Sie erinnerten mich daran, wer ich wirklich bin.
Oft haben sie mir gesagt, dass ich ein wundervoller Mensch sei, in jeder Bedeutung des Wortes „wundervoll“. Das ist ein Kompliment, das ich gerne zurückgeben möchte: Meine Freunde, die Wundervollen seid ihr, jeder einzelne von euch. Es ist schön, dass es euch gibt.
(Ljubljana, 2014)
